Vor ein paar Tagen wurden am Pegel Kaub 24 cm gemessen, zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrags waren es 20, die Vorhersage für die nächsten zwei Tage prognostiziert 15. Damit ist das Rekordtief von Oktober 2018 nicht nur eingestellt, sondern unterschritten. Auch andernorts liegen die Stände zwischen Karlsruhe und Emmerich auf oder nahe ihren historischen Tiefstständen, in Worms wurde sogar ein Wert unter null gemessen, und Regen ist auf Wochen hinaus nicht in Sicht. Es ist dabei nicht die Zahl, sondern der Zeitpunkt: In den bisher trockensten Jahren dieses Jahrhunderts kam der tiefste Stand erst deutlich später im Jahr. Wir sind unserer Zeit also voraus.
Die Politik hat darauf reagiert, wie man reagiert, wenn man ein Symptom sieht und die Ursache weder benennen noch anfassen will. Am 7. August hat der neue Verkehrsminister Steffen Bilger Schifffahrt, Häfen und Wirtschaft zu einem Krisentreffen nach Bonn geladen. Auf dem Tisch lagen die Vertiefung der Fahrrinne, schwerere Lastwagen, die Aussetzung des Sonntagsfahrverbots und ein 24-Stunden-Betrieb der Schleusen. Symptome abmildern, nicht Ursachen beheben. Kurz, man will die Schichten am Laufen halten, damit die Güter weiterfließen, solange noch Wasser da ist. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft hat nach dem Dürrejahr 2018 vorgerechnet, dass die deutsche Industrieproduktion um etwa ein Prozent sinkt, sobald der Pegel Kaub dreißig Tage lang unter 78 cm bleibt.
Es ist derselbe Sommer, in dem wir in Erftstadt Mitte Juli an die Flut von 2021 erinnert haben, an die Abbruchkante in Blessem und an das, was der Stadt und den Menschen hier damals genommen wurde. Und in dem sich Ende Juli zum ersten Mal das Gutachten des Internationalen Gerichtshofs gejährt hat, das Klimaschutz als völkerrechtliche Pflicht beschreibt. Drei Nachrichten, ein Zusammenhang.
Es gibt da einen Song von Hämatom, Anfang 2025 erschienen, der diesen Zustand besser trifft als die meisten Analysen und ist Titelgeber dieses Beitrags. Er heißt „Lachend in den Untergang“ und inszeniert den Zusammenbruch als letztes großes Fest: Vorräte verprassen, Müll im Meer entsorgen, die Welt anzünden, ein goldenes Jahrzehnt ausrufen, in dem es allen blendend geht, und noch eine letzte Schicht schieben, ehe der Betrieb geschlossen wird. Ich habe das lange nur für einen guten Song gehalten. Inzwischen halte ich es für eine Zustandsbeschreibung.
Denn diese Krise wird inzwischen nicht mehr geleugnet. Jedenfalls kaum noch. Alle wissen Bescheid und machen trotzdem weiter. Das ist etwas anderes, und es ist schlimmer.
Was neu ist, ist nicht die Erwärmung
Dass es wärmer wird, wissen wir schon lange, seit Jahrzehnten. Neu ist etwas anderes. Ende 2025 hat der Global Tipping Points Report, getragen von mehr als 160 Fachleuten, festgestellt, dass die tropischen Warmwasser-Korallenriffe als erstes großes Erdsystem die zentrale Schätzung ihres Kipppunkts überschritten haben, die bei etwa 1,2 Grad liegt. Wir stehen bei rund 1,4. Seit Anfang 2023 war rund 84 Prozent der weltweiten Rifffläche Hitzestress auf sog. Bleichniveau ausgesetzt. Das heißt nicht, dass dieser Teil der Riffe verloren wären, sondern dass sie über ihrer Belastungsgrenze lagen. Hunderte Millionen Menschen sind für Nahrung, Einkommen oder Küstenschutz auf sie angewiesen.
Der wichtigere Satz steht danach. Mehrere weitere Systeme haben ihre Kippschwellen im Bereich von etwa 1,5 Grad oder wenig darüber: die Permafrostböden, der grönländische und der westantarktische Eisschild und der subpolare Wirbel im Nordatlantik. Es ist also alles keine Frage für das Jahr 2100 mehr, sondern diese Schwelle wird nach Rechnung des UN-Umweltprogramms sehr wahrscheinlich noch in diesem Jahrzehnt zumindest vorübergehend überschritten. Die derzeitige Politik rennt weltweit auf 2,8 Grad zu, und selbst die vollständige Umsetzung aller Zusagen landet bei 2,3 bis 2,5 Grad. Was das über lange Zeiträume bedeutet, haben Deutloff, Held und Lenton 2025 durchgerechnet. Für den wahrscheinlichsten Emissionspfad liegt selbst die konservativste der untersuchten Schätzungen bei einer über 16 Kipppunkte gemittelten Auslösewahrscheinlichkeit von 62 Prozent, neun davon einzeln über fünfzig. Das sagt nichts über dieses Jahrzehnt, sondern darüber, worauf wir uns langfristig festlegen. Die zusätzlichen Rückkopplungen durch Permafrost und Amazonas erhöhen diese Wahrscheinlichkeit nur um etwa drei Prozentpunkte.
Das ist der Punkt, an dem ich widerspreche, wenn wieder jemand sagt, die Wissenschaft übertreibe. Man braucht die dramatischen Rückkopplungen für diese Zahlen gar nicht. Sie ergeben sich aus dem konservativen Modell und aus der Politik, die wir gerade machen.
Einschub: Der subpolare Wirbel und der Atlantik
Was in den Nachrichten gelegentlich als Strudel vor Amerika auftaucht, ist kein Strudel. Der subpolare Wirbel ist eine großräumige Zirkulation im Nordatlantik südlich von Grönland, in dem kaltes, salzreiches Wasser absinkt. Dieser Mechanismus treibt die atlantische Umwälzzirkulation, die AMOC, mit an, ist aber nicht dasselbe. Schmelzwasser aus Grönland verdünnt das Oberflächenwasser, verringert seine Dichte und schwächt die Tiefenwasserbildung.
Was ein Kippen dieser Systeme für Nordwesteuropa hieße, hat der Nordische Ministerrat 2026 zusammengetragen, und man muss dabei den subpolaren Wirbel von der AMOC unterscheiden. Die Tiefenkonvektion im subpolaren Wirbel könnte vergleichsweise abrupt zusammenbrechen, Modelle zeigen dann lokal eine Abkühlung um ein bis zwei Grad binnen zehn bis fünfzehn Jahren, eine Verschiebung des Jetstreams nach Norden und ein steigendes Risiko sommerlicher Hitzewellen in Europa. Ein vollständiger Kollaps der AMOC wäre weitreichender, und seine Folgen hängen davon ab, wann er einträte und wie warm die Erde dann schon ist. In Szenarien bei etwa zwei Grad Erwärmung treten starke Winterabkühlung im Nordatlantikraum, intensivere Stürme und kürzere Vegetationsperioden auf. Alles Szenarien, keine Prognosen. Kältere Winter und heißere Sommer sind dabei kein Widerspruch, sondern können Folgen derselben Zirkulationsänderung sein. Wer sich darauf freut, dass der Atlantik uns die Erwärmung wieder abnimmt, sollte noch einmal lesen.
Hinzu kommt der Meeresspiegel. Veränderte Dichte- und Strömungsverhältnisse würden ihn dynamisch umverteilen, an europäischen Küsten nach Modellschätzungen um bis zu fünfzig Zentimeter zusätzlich. Eine nach Süden verschobene tropische Regenzone würde Dürren im Sahel, im nördlichen Amazonas und in Indien verschärfen, mit Folgen für die globalen Nahrungsmittelsysteme.
Erftstadt liegt nicht am Meer. Seine Lieferketten, Lebensmittelpreise und Versicherungsrisiken enden trotzdem nicht an der Stadtgrenze. Der Rhein führt das gerade vor.
Das neue Normal – materielle Betrachtung
Wer wissen will, wie sich die Klimakrise im Alltag anfühlt, muss nur seine Wohngebäudeversicherung lesen. Die deutsche Versicherungswirtschaft hat im Februar ausgesprochen, was die Branche seit Jahren durchrechnet: In Hochrisikogebieten stiegen die Prämien so stark, dass viele Haushalte sie kaum noch stemmen könnten, und ohne Gegensteuern drohe der Verlust der flächendeckenden Versicherbarkeit. So erreicht die Erderhitzung das Vermögen des deutschen Mittelstands. Das Klima enteignet niemanden, es entwertet. Zuerst wird ein Haus teurer oder schwieriger zu versichern, dann schwieriger zu finanzieren und zu verkaufen, im äußersten Fall wird aus einem Vermögenswert eine Belastung mit Garten. Die gute Nachricht ist, dass es uns niemand wegnimmt. Die schlechte ist, dass das gar nicht nötig sein wird.
Volkswirtschaftlich sieht es nicht besser aus. Allianz Trade berechnet für Deutschland 2026-2030 kumulierte Verluste von rund 131 Milliarden US-Dollar, falls sich die Hitzewellen des vergangenen Jahrzehnts wiederholen. Das ist eine Modellrechnung unter einer Annahme, keine Vorhersage. Für die aktuelle Dürre wird sie konkret: Das Institut der deutschen Wirtschaft schätzt die Wachstumseinbuße auf 0,4 Prozentpunkte und die Industrieschäden auf fast eine Milliarde Euro. Diese Trockenheit wird lt. World Weather Attribution in Westeuropa durch den Klimawandel achtzigmal wahrscheinlicher.
Das neue Normal – humanitäre Betrachtung
Man muss für die Folgen nicht mehr in die Ferne schauen. In diesem Sommer sind europaweit bis Mitte Juli fast 170.000 Hektar verbrannt, mehr als im 20-Jahresmittel. In der französischen Gironde wurden 42.000 Hektar zu Asche und 220.000 Menschen mussten Häuser und Hotels verlassen. In Spanien zerstörten die Brände über 110.000 Hektar, mindestens 12 Menschen starben. Eine grenzüberschreitende Recherche hat diese Feuersaison ausdrücklich „die neue Normalität“ genannt. Das ist nicht meine Formulierung, sondern die von Kolleginnen und Kollegen, die dasselbe sehen.
Weltweit lebten zum Jahresende über 82 Millionen Menschen als Binnenvertriebene, das heißt vertrieben, aber innerhalb der eigenen Landesgrenzen, knapp 14 Millionen davon infolge von Katastrophen. Die 29,9 Millionen neuen katastrophenbedingten Vertriebenen lagen unter dem von 2024, aber weiter 13 Prozent über dem 10-Jahresmittel. Ich nenne das genau, weil man mit solchen Zahlen leicht Unfug treibt: 2025 war kein Rekordjahr bei den neuen Bewegungen. Der Bestand der katastrophenbedingt Vertriebenen am Jahresende ist trotzdem ein Rekord, um 37 Prozent über dem Vorjahr.
In 15 Prozent der beobachteten Länder ist die Datenverfügbarkeit zurückgegangen, dreimal so viele wie im Vorjahr. In einem wachsenden Teil der Welt wird also selbst die Datengrundlage schlechter. Das hat, rein verwaltungstechnisch, einen unschlagbaren Vorteil. Wer weniger zählt, weist weniger Fälle aus.
Das neue Normal – politische Betrachtung
Am 18. Mai hat der Expertenrat für Klimafragen seinen Prüfbericht vorgelegt, ein unabhängiges, im Klimaschutzgesetz verankertes und von der Bundesregierung berufenes Gremium. Der Befund: Deutschland wird das Emissionsbudget bis 2030 voraussichtlich überschreiten und das Minderungsziel für 2040 sehr deutlich verfehlen. Selbst bei vollständiger Umsetzung des beschlossenen Klimaschutzprogramms würde keines der gesetzlichen Ziele bis 2040 erreicht. Klimareporter hat dazu einen Satz geschrieben, der hängen bleibt: Ein erheblicher Teil der bisherigen Minderung ist keine Klimapolitik, sondern Krisenstatistik.
Man sieht diese Prioritätensetzung gerade in Echtzeit. Als der Rhein Rekordtiefs meldete, lud der Verkehrsminister binnen weniger Tage zum Gipfel, um die Frachtkapazitäten zu sichern. So schnell und operativ wird an den Folgen gehandelt. An der Ursache, der Emissionsminderung, ungleich langsamer. Die rund 11.900 Menschen, die bisher in diesem Jahr an den Folgen der Hitze gestorben sind, hatten keine vergleichbare Lobby. Und es passt zum Rest: ein Klimaschutzprogramm mit 67 Maßnahmen, zugleich eine gesenkte Luftverkehrsteuer, ein teureres Deutschlandticket und der Weg für neue Gasinfrastruktur, die später auf Wasserstoff umgestellt werden soll. Ob und wann diese Umstellung gelingt, ist offen. Das fossile Kraftwerk wäre dann bereits gebaut. Man kann das für einen Zielkonflikt halten. Man kann es auch für eine Antwort halten.
Auf europäischer Ebene genau dasselbe. Alle Entscheider wissen genau, welches Instrument am zuverlässigsten wirkt: verbindliche Mandate, die saubere Technologien einführen und fossile auslaufen lassen, ausdrücklich einschließlich der Null-Emissionsvorgaben für Neuwagen. Im Dezember 2025 hat die EU-Kommission vorgeschlagen, statt einer hundertprozentigen Reduktion der Auspuffemissionen ab 2035 nur noch 90 Prozent vorzuschreiben und die verbleibenden zehn Prozent über europäischen CO₂-armen Stahl, E-Fuels oder Biokraftstoffe kompensieren zu lassen. Der Vorschlag ist im Gesetzgebungsverfahren, die Ausgestaltung offen. Man muss der Kommission zugutehalten, dass sie das wirksamste Werkzeug präzise identifiziert hat. Sie hat es nur anders behandelt, als man erwarten würde.
Und dann ist da noch das Gutachten aus Den Haag. Eine autoritative Auslegung geltenden Völkerrechts, formal nicht bindend, in der Wirkung erheblich. Der Internationale Gerichtshof hat in seinem einstimmig verabschiedeten Gutachten festgehalten, dass Staaten völkerrechtlich verpflichtet sind, Maßnahmen zur Begrenzung der Erwärmung auf 1,5 Grad zu ergreifen, dass strenge Sorgfaltspflichten gelten und dass sie für Verstöße zur Wiedergutmachung verpflichtet werden können. Das Recht auf eine saubere Umwelt, so die Max-Planck-Gesellschaft, ist damit ein Menschenrecht. Am 20. Mai 2026 hat die UN-Generalversammlung das Gutachten mit 141 zu 8 Stimmen politisch bekräftigt; dagegen stimmten unter anderem die USA, Saudi-Arabien und Russland.
Seither lässt sich unzureichender Klimaschutz auch in Deutschland nicht mehr nur als politische Zielverfehlung behandeln. Er berührt völkerrechtliche Sorgfalts- und Menschenrechtspflichten, für deren Verletzung Staaten grundsätzlich verantwortlich gemacht werden können. Der deutschen Debatte merkt man das bislang nicht an.
Vier Einwände, die jetzt kommen
- Deutschland allein rettet das Klima nicht. Das stimmt. Das Argument ist allerdings keines, denn es hat eine Eigenschaft: Es funktioniert für jedes einzelne Land der Erde, und wenn alle es benutzen, tut niemand etwas. Es ist kein Argument, es ist eine Aufforderung zum kollektiven Nichtstun mit besonders gutem Gewissen.
- Klimaschutz kostet Arbeitsplätze. Das stimmt für einzelne Branchen, nur läuft die Rechnung inzwischen anders. Wenn Hitzewellen allein bis 2030 Wirtschaftsverluste in dreistelliger Milliardenhöhe verursachen können und ein niedriger Pegelstand am Mittelrhein die Hochöfen in Duisburg drosselt, geht es nicht mehr um Klimaschutz oder Wohlstand. Die Frage ist, ob wir planvoll in den Umbau investieren oder später ungeplant für Schäden, Produktionsausfälle und Notmaßnahmen zahlen.
- Dann konzentrieren wir uns eben auf Anpassung. Das ist der derzeit beliebteste Ausweg, hat aber leider einen eingebauten Fehler: Entsiegelung, Verschattung, Rückhaltebecken und Hitzevorsorge sind auf bekannte Bandbreiten ausgelegt, das ist ihre Konstruktionsgrundlage. Man kann eine Stadt gegen häufigere Hitze und stärkeren Starkregen widerstandsfähiger machen. Abrupte Umbrüche ganzer Zirkulationssysteme lassen sich damit nicht auffangen. Anpassung ist notwendig, aber keine Alternative zur Vermeidung.
- Ihr wollt eine Ökodiktatur (wer auch immer mit dem ominösen „Ihr“ gemeint ist). Nein. Was wir wollen, ist, dass Gesetze gelten, die dieses Land sich selbst gegeben hat. Der Expertenrat ist gesetzlich verankert und von der Bundesregierung berufen, das Klimaschutzgesetz ein Beschluss des Bundestages, das Pariser Abkommen ratifiziert. Es geht nicht um die Abschaffung demokratischer Verfahren. Es geht darum, dass Regierungen sich an ihre eigenen halten.
Es gibt die andere Sorte Kipppunkte
An dieser Stelle könnte man aufhören, aber das wäre falsch, weil derselbe Bericht, der den Korallenriffen ein weltweites Massensterben bescheinigt, auch die andere Seite dokumentiert: Positive Kipppunkte sind bei Solar- und Windenergie global bereits überschritten, ebenso in führenden Märkten bei Elektroautos, Batteriespeichern und Wärmepumpen. Die Batteriepreise sind im vergangenen Jahrzehnt um 84 Prozent gefallen. Und weltweit wollen 80 Prozent der Menschen, dass ihr Land mehr tut, 72 Prozent einen schnellen Ausstieg aus den fossilen Energien.
Sobald Kosten, Infrastruktur, Produktionskapazitäten und Erwartungen einander verstärken, entwickelt ein Umstieg eine Eigendynamik, die nur noch schwer umzukehren ist. Kipppunkte funktionieren in beide Richtungen. Und meine Einschätzung dazu: Dass gerade um verbindliche Ausstiegsdaten so erbittert gerungen wird, spricht nicht gegen ihre Wirksamkeit, sondern für sie.
Was ich daraus für Erftstadt ableite
Erftstadt beginnt nicht bei null. Wir haben ein Klimaanpassungsmanagement, und am 18. Februar 2025 hat der Rat das integrierte Klimaanpassungskonzept einstimmig als verbindlichen Handlungsrahmen beschlossen und die Verwaltung mit der schrittweisen Umsetzung der Maßnahmen beauftragt. Zu den prioritären Vorhaben gehören eine sensorbasierte Bodenfeuchteüberwachung für das Stadtgrün, die Unterstützung der Bevölkerung bei Hitzewarnungen, ein klimaangepasstes Stadtbaumkonzept, ein Verschattungs- und Kühlkonzept für stark frequentierte Orte und der Aufbau eines Trinkwasserversorgungsnetzwerks. Im Hochwasserschutz arbeitet Erftstadt in der interkommunalen Kooperation des Erftverbands mit, die drei Kreise umfasst und landesweit als Modell gilt.
Es fehlt also nicht am Beschluss. Meine eigene Fraktion hat in derselben Sitzung einen Ergänzungsantrag gestellt, der genau das einfordert, worauf es jetzt ankommt: eine detaillierte Finanzplanung einschließlich möglicher Fördermittel bis zum 30. Juni 2025, eine priorisierte Umsetzungsplanung bis zum 30. September 2025, eine halbjährliche Berichterstattung an Ausschuss und Rat und die Integration der laufenden Starkregen- und Hochwassergefahrenanalyse in das Konzept. Dieser Antrag wurde zur weiteren Beratung in den Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Landwirtschaft verwiesen. Die darin genannten Termine liegen inzwischen mehr als ein Jahr zurück. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, was zu tun ist, sondern wie groß der Abstand zwischen Beschluss und Baustelle bleibt. Ich bin nicht in der Position, der Verwaltung Hausaufgaben zu erteilen. Aber ich kann fragen, was aus dem geworden ist, was wir bereits beantragt haben.
Und der Song?
Ich habe am Anfang geschrieben, dass „Lachend in den Untergang“ eine Zustandsbeschreibung ist. Das Lachen darin ist nicht das Lachen von Leuten, die nichts wissen. Es ist das Lachen von Leuten, die es genau wissen und trotzdem weitergehen, weil das leichter ist, als stehenzubleiben und die Richtung zu ändern. In diesem Sommer sind die Bilder des Songs unangenehm wörtlich geworden. Ganze Landstriche Südeuropas stehen seit Wochen in Flammen. Und die letzte Schicht, ehe der Betrieb geschlossen wird, ist fast eine Beschreibung dessen, was in Bonn beraten wurde: die Schleusen rund um die Uhr, das Fahrverbot ausgesetzt, damit die Güter weiterfließen, solange noch Wasser da ist.
Der Song stellt eine Frage, die er selbst offen lässt, den Widerspruch zwischen Schicksal und Selbstbestimmung. Meine Antwort darauf steht woanders. Der Untergang ist kein Ort, auf den man zuläuft, und kein Schicksal, das eintritt. Er ist eine Richtung. Richtungen sind Entscheidungen, und Entscheidungen werden von Menschen getroffen, in Kabinettssitzungen, in Brüsseler Verhandlungsrunden, in Ratssitzungen an einem Dienstagabend in Erftstadt.
Mit dem Lachen aufzuhören hilft dabei nichts. Es ist ohnehin nur die Form, in der wir aushalten, was wir wissen.
Mit dem Weiterlaufen aufzuhören, das wäre etwas.
Quellen
- https://www.elwis.de/DE/dynamisch/Wasserstaende/Pegelvorhersage:KAUB
- https://open.spotify.com/intl-de/track/2wlm74OfthNAUQBY4hzYwl?si=38c91c2a615f4542
- https://www.daswetter.com/nachrichten/aktuelles/rhein-niedrigwasser-rekordtiefs-von-koeln-bis-emmerich.html
- https://www.topagrar.com/markt/news/niedrigwasser-krisentreffen-rhein-vertiefen-und-44-tonnen-laster-zulassen-20027918.html
- https://global-tipping-points.org/
- https://www.unep.org/resources/emissions-gap-report-2025
- https://esd.copernicus.org/articles/16/565/2025/
- https://pub.norden.org/temanord2026-504/2-impacts-of-an-amoc-collapse.html
- https://taz.de/Schaeden-durch-Erderhitzung/!6151371/
- https://www.allianz-trade.de/presse/pressemitteilungen/extreme-hitze-kostet-deutschland-milliarden-und-laehmt-wirtschaftswachstum.html
- https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/niedrigwasser-und-hitzetote-das-zogern-der-bundesregierung-gefahrdet-wirtschaft-und-menschenleben-15924649.html
- https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/niedrigwasser-pegel-schifffahrt-bilger-minister-100.html
- https://www.internal-displacement.org/global-report/grid2026/
- https://voxeurop.eu/de/groesste-wahlbraende-europe-daten-neue-normalitaet/
- https://www.tagesspiegel.de/politik/verwarnung-vom-expertenrat-mit-dem-aktuellen-kurs-wird-deutschland-seine-klimaziele-verfehlen-15607607.html
- https://correctiv.org/aktuelles/klimawandel/2026/05/06/mehr-gas-weniger-tempo-ein-jahr-klimapolitik-der-bundesregierung/
- https://www.adac.de/news/verkehr-aus-vom-verbrenner-aus/
- https://verfassungsblog.de/klarheit-aus-den-haag/
- https://www.erftstadt.de/aktuelles/news/rat-fasst-wichtige-beschluesse.php
- https://www.cleanthinking.de/hitzewelle-2026/